Wirtschaftsblatt, 3.6.2011
von Kathrin Gulnerits
Wer Gefühle managen kann, ist im Job besser
Gefühle haben im Management nichts zu sagen - sagen viele. Coach Michael Schmitz sieht das anders. Er rät Managern Gefühle wahrzunehmen und auch zu managen.
Im Jobleben geht es meistens um Statistiken, Bilanzen, Verkaufszahlen. Emotionen haben hier nichts zu suchen -sagen viele. Dabei spielen beispielsweise Stolz, Wut, Ärger, Angst, Neid und Scham am Arbeitsplatz eine große Rolle. Doch wer Emotionen zeigt, wird schnell als unprofessionell abgestempelt. Auch Psychologieprofessor und Autor Michael Schmitz ("Der Gefühlscoach", Piper) erlebt das in seinen Coachings immer wieder: "Viele sagen, Emotionen sind für den Privatbereich und sollen aus Managementprozessen rausgehalten werden. Aber so funktioniert das nicht. Das kann unser Hirn nicht."
Schmitz rät vielmehr, diese Gefühle wahrzunehmen -und zu managen. "Das ist ein erheblicher Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg. Je besser ich das kann, desto besser bin ich in meiner Führungskompetenz", ist er überzeugt. Schmitz weiß aber auch, dass das gerade für jene Manager, die für rationale Entscheidungen plädieren, eine ziemliche Herausforderung ist.
Anhand von Beispielen zeigt er in seinem Buch die Vor-und Nachteile von Gefühlen auf: Angst kann einerseits vor Gefahren warnen; aber auch blockieren und Möglichkeiten verschließen. Ärger wiederum kann helfen, Widerstände zu überwinden -oder in eine zerstörerische Konfrontation treiben. Neid kann ein Ansporn sein -oder zerfressen. "Ich muss erkennen, welche Emotionen für mich förderlich sind und welche dazu beitragen, dass ich meine Ziele nicht erreiche", sagt Schmitz. Verhindern oder unterdrücken lassen sich die Emotionen jedenfalls nicht. Schmitz: "Wir geben ständig emotionale Signale."
Reflektieren wichtig
Führungskräfte sollten zudem erkennen, welche Emotionen welches Verhalten auslösen. Nur wer regelmäßig sein Gefühlskarussell reflektiert, läuft nicht Gefahr, von seinen Gefühlen vereinnahmt zu werden, indem etwa in bestimmten Situationen zu überschwänglich oder zu ängstlich reagiert wird. "Wenn ich weiß, dass ich Neigungen habe, alles zu optimistisch zu sehen, weiß ich dann auch, dass ich mich hier einbremsen muss", sagt Schmitz.
Netter Nebeneffekt: Wer sich seiner Gefühle bewusst ist, kann Signale setzen, die dabei helfen, eigene Interessen besser durchzusetzen. "Manager müssen erkennen, dass nicht alles, was sie tun, ein Ergebnis rein rationaler Analyse oder harter Anstrengung ist. Schmitz sieht hier noch einen erheblichen Nachholbedarf -aber auch erste Lichtblicke in den Chefetagen. "Autoritäre Bosse oder jene, die nur Befehle geben, sind weniger geworden."
