Salzburger Nachrichten, 31.5.2008
Die Firma wird zur Marke
Firmen müssen sich verstärkt als "Marke" präsentieren.
"Employer Branding" stand daher im Mittelpunkt eines Symposiums.
SALZBURG. Die Zeiten sind bald endgültig vorbei, in denen
Stellensuchende vor den Firmen Schlange gestanden sind, um einen Job zu
ergattern. Jetzt hat sich die Situation gedreht und die Firmen müssen
sich entsprechend attraktiv den Bewerbern präsentieren.
Unter dem Schlagwort „Employer Branding” wird jetzt vor allem in
den Personalabteilungen vieler Unternehmen an einem passenden Profil der
Firma gearbeitet.
Entsprechend groß war daher die Resonanz auf ein gleichnamiges
Symposium, das die Psychonomics AG vergangenen Mittwoch in den
Räumlichkeiten der Salzburg AG veranstaltete. Dabei stellten alle
Vortragenden eines klar: An der Notwendigkeit der Positionierung des
Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber führt kein Weg vorbei. Und:
Dieser Weg gilt nicht nur für Großbetriebe sondern auch für
KMU (kleine und mittlere Unternehmen).
„Für uns war das immer schon ein Thema”, sagte
beispielsweise Petra Nußbaumer, bei DM Drogerie Markt für die
Personalentwicklung zuständig: „Wir tun viel für unsere
Mitarbeiter. Das hat manchmal den Effekt, dass das langjährige
Mitarbeiter gar nicht mehr so richtig wahrnehmen.” Sie ist davon
überzeugt, dass nur durch die Werteorientierung einer Firma auch ein
langfristiger Erfolg möglich sei: „Der Erfolg hängt immer
mehr von den Menschen ab.”
Ähnlich überzeugt ist auch Peter Lindner von der Salzburg AG:
„Bei uns gehört das zur Unternehmens-Philosophie.” Wieweit
Employer Branding ein Wettbewerbsvorteil sei, hänge aber auch von der
jeweiligen Branche ab. Lindner: „Bei höher qualifizierten Jobs
spielt das sicher eine wesentlich wichtigere Rolle, als bei niedrig
qualifizierten.”
Unternehmen profitiert langfristig
Ob sich die Investition in umfassendes Employer Branding lohnen, könne
man aber letztlich nie exakt berechnen. Lindner: „Natürlich gibt
es Kennzahlen wie die Fluktuation. Ob die Maßnahmen sinnvoll sind,
zeigt sich aber erst am langfristigen wirtschaftlichen Erfolg des
Unternehmens.”
Die Frage des eingesetzten Kapitals wollte auch Regina Esslinger, Leiterin
der Deutschen Employer Branding Akademie München (DEBA) nicht eindeutig
beantworten: „Das ist schwer zu sagen, aber es gibt auch für KMU
einen vernünftigen Rahmen.” Je mehr Eigenleistung ein Unternehmen
erbringe, desto weniger schlagen externe Kosten zu Buche.
Der Impuls für Employer Branding-Maßnahmen komme nach Erfahrung
meist aus den Personalabteilungen: „Wenn ich Strategie- und
Businesspartner sein will, muss ich mit einem entsprechenden Konzept in das
Management gehen.” Allerdings komme der Anstoß bei Konzernen
nicht immer aus der Zentrale sondern auch aus Niederlassungen in anderen
Ländern, wo dieses Thema schon dringlicher sei.
Für viele Firmen ist das Thema Employer Branding auch noch neu, wie
Angelika Guldt von der Lenzing AG bestätigt: „Bei uns ist der
Druck von mehreren Seiten gekommen, weil wir in den vergangenen fünf
Jahren einen starken Wachstumsprozess und ein Change-Phase hatten. Wir
müssen uns als Konzern erst etablieren, da gehört das
natürlich auch dazu.” Aus ihrer Sicht handelt es sich bei
Employer Branding eindeutig um ein Zukunftsthema, da „gibt es noch
viel zu tun.”
Jeder Mitarbeiter ist Markenbotschafter
Dass nicht nur Konzerne mit der Etablierung der Firma als Marke konfrontiert
sind, zeigt auch die Prisma Kreditversicherungs-AG. Personalleiter Josef
Feldhofer: „Wir haben hier natürlich den Vorteil einer
überschaubaren Struktur. Dinge wie ein Leitbildprozess sind leichter
machbar und überschaubar. Aber ganz wichtig ist: Jeder Mitarbeiter ist
ein Markenbotschafter.” Er betont auch, dass Employer
Brandig-Maßnahmen nur dann Erfolg haben, wenn sie langfristig geplant
und durchgeführt werden.
